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Jammern auf hohem Niveau

Foto: Hans Deryk /Reuters

90 minderjährige Multimillionäre leben in der Bundesrepublik. Ihre Eltern können die Steuerlast nicht schultern, deshalb erhalten die lieben Kleinen ihren ehrlich ererbten Reichtum bereits, bevor Mama und Papa das Zeitige segnen. Insgesamt verbuchten die Minioligarchen 29,4 Milliarden Euro – ein Taschengeld von 327 Mio Taschengeld pro Rotznase.

Ausjunge Welt:

Immer diese Jammerkultur. Kann denn diese Zeitung nicht auch mal Positives vermelden? Nur Krieg, Armut und Elend liest man Zeile rauf und Zeile runter. Jetzt ist Schluss. Wir können auch anders, und wenden uns deshalb dem Berliner Institut der Deutschen Wirtschaft (DIW) zu. Das hatte am Mittwoch Neuigkeiten vermeldet. Von der (noch verfassungswidrigen) Erbschaftssteuerreform der Bundesregierung »haben in erster Linie Kinder unter 14 Jahren profitiert«, wissen die Ökonomen. Na endlich. Vergessen wir die 2,47 Millionen Mädchen und Jungen, die hierzulande in Armut aufwachsen. »Deutschland geht es gut«, hatte die Bundeskanzlerin schon vor drei Jahren erzählt. 90 minderjährige Multimillionäre leben in der Bundesrepublik. Ihre Eltern können die Steuerlast nicht schultern, deshalb erhalten die lieben Kleinen ihren ehrlich ererbten Reichtum bereits, bevor Mama und Papa das Zeitige segnen. Insgesamt verbuchten die Minioligarchen 29,4 Milliarden Euro – ein Taschengeld von 327 Millionen Euro Taschengeld pro Rotznase.

Ende des Jahres 2014 hatte das Bundesverfassungsgericht der Bundeskanzlerin verordnet, die Begünstigungen für Unternehmensübertragungen neu zu regeln, da diese zu weitgehend waren. Entgegen der Vorgaben ist das neue Gesetz aber noch nicht in Kraft, sondern wird derzeit im Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat verhandelt. »Mit Blick auf die erwartete Beschneidung der Firmenprivilegien haben in den vergangenen Jahren offenbar viele Personen gehandelt und Unternehmensvermögen frühzeitig steuerfrei übertragen«, teilte das DIW mit. »Mit 66 Milliarden Euro im Jahr 2014 und 57 Milliarden Euro im Jahr 2015 lag das Volumen deutlich höher als zuvor.« Hierzulande herrscht eine Erbschaftssteuerflüchtlingskrise. Diese Flüchtlinge können wirklich auf die Kanzlerin vertrauen: »Wir schaffen das.« (sz)

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