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Otto Ersching

Rede von Otto Ersching beim Klimastreik am 24.09.2021

Liebe Freundinnen und Freunde,

sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass so viele Menschen gekommen sind. Uns allen ist der Klimaschutz und die Abwendung der Klimakatastrophe wichtig.

Wir sind hier, um Druck auf eine neue Bundesregierung auszuüben, dass endlich der Klimaschutz und das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens in den Fokus staatlichen Handelns gerückt wird. Denn, in der kommenden Legislaturperiode droht das verbleibende deutsche CO2-Budget für das 1,5-Grad-Ziel aufgebraucht zu werden.

Es ist bereits 29 Jahre her, dass im brasilianischen Rio de Janeiro die UN-Klimaschutzrahmenkonvention unterzeichnet wurde. Die Gefahr der Erderwärmung müsse verhindert werden, versprachen die Regierungen. Die Industriestaaten sollten vorangehen, um den anderen mehr Raum zur Entwicklung zu geben.

Doch nichts ist geschehen. Statt Taten folgen zu lassen, wurden neue Kohlekraftwerke gebaut, strengere Abgasnormen für den Straßenverkehr jahrzehntelang hintertrieben, der Luftverkehr ausgeweitet, Flughäfen subventioniert, in der Landwirtschaft Überdüngung und Massentierhaltung gefördert, Chemie- und Stahlindustrie mit Samthandschuhen angefasst, Dörfer abgerissen, die Tagebaue für Braunkohle weiter vorangetrieben, Wälder für Autobahnen abgeholzt. Und zum Schluss auch noch der Ausbau von Solar- und Windenergieanlagen sabotiert.

Jetzt brennt es an allen Ecken und Enden. Buchstäblich und im übertragenen Sinne. Die Ernährung der Weltbevölkerung wird zunehmend prekärer, die Tropenstürme verheerender, die Unwetter auch hierzulande tödlicher – doch die Kohlekraftwerke laufen weiter, um Konzernen wie RWE die Kassen zu füllen. Bisher gibt es nur Floskeln zu hören.

Die Klimagerechtigkeitsbewegung darf nicht weiter kriminalisiert werden, wie z.B. die Menschen, die im Hambi für den Erhalt des Waldes und gegen die weitere Braunkohleverstromung gekämpft haben. Die Landesregierung und Innenminister Reul haben als Erfüllungsgehilfen von RWE gehandelt – unrechtmäßig und fadenscheinig, wie jetzt das Kölner Verwaltungsgericht geurteilt hat. Der Tod des Dokumentarfilmers Steffen Meyn am 19. September 2018 ist damit noch sinnloser.

Wenn die Menschheit und die Zukunft unserer Kinder und Enkel auf dem Spiel steht, muss ziviler Ungehorsam und Widerstand gegenüber denen geleistet werden, die diese Maßnahmen blockieren oder verschleppen.

Deutschland produziert 2% der weltweiten CO2-Emissionen, stellt aber nur 1% der Weltbevölkerung. Das heißt, dass Deutschland doppelt soviel CO2 in die Atmosphäre bläst, als Deutschland zusteht. Daher haben wir in der, sicherlich globalen, Aufgabe der Abwendung der Klimakatastrophe eine besondere Verantwortung. Dieser Verantwortung müssen wir uns stellen, ob im Bund oder auf Landesebene oder in der Kommune wie Lüdenscheid.

Dazu werden wir aber von Frau Rohlmann noch einiges hören.

Ein weiteres Rumgeiere kann sich eine neue Regierung nicht mehr leisten! In den nächsten vier Jahren muss gehandelt werden, sonst ist es zu spät!

Für die kommende Bundesregierung und den kommenden Bundestag gibt es vier primäre Handlungsfelder:

1. Raus aus der Kohleverstromung bis 2030!

Die CO2-Emissionen durch die Kohleverstromung macht ca. 30% der Gesamtemissionen aus. In NRW kommen mehr als die Hälfte der energiebedingten CO2-Emissionen aus der Braunkohleverstromung in vier Kraftwerken mit 80 Mio. Tonnen jährlich.

Deutschland muss, bis 2035, 100% Strom aus erneuerbaren Energien produzieren.

2. Umbau der Wärmeerzeugung!

Immer noch laufen die meisten Heizungen in Haushalten und Betrieben mit Heizöl, Gas oder elektrisch. Dadurch werden weitere 30% der Emissionen verursacht.

3. Eine Verkehrswende muss eingeläutet werden!

Der mit fossilen Brennstoffen betriebene Individualverkehr produziert ca. 20% der CO2-Emissionen. Wir müssen weg von den Verbrennungsmotoren, und hin zu alternativen Mobilitätsformen, wie den ÖPNV, den Schienenverkehr und den Radverkehr, um diesen nach vorne zu bringen.

4. Bis 2035 muss Deutschland klimaneutral werden!

Es gibt Alternativen zu den CO2-Treibern. Sie dürfen aber nicht, wie in der Vergangenheit, durch unsinnige Gesetzesvorgaben blockiert werden.

Aber, wenn man sich die letzten Debatten im Fernsehen angeschaut hat, war der dringend notwendige Klimaschutz nicht Nr. 1 auf der Tagesordnung. Statt das Thema in den Vordergrund zu stellen und mögliche Koalitionen daran auszurichten, wurde und wird immer wieder die Außenpolitik, die Interventionspolitik und das Festhalten an Kriegsbündnissen thematisiert.

Dabei gehören Militär, Krieg und Rüstung zu den größten Verursachern von Treibhausgasemissionen, Feinstaubbelastungen und Umweltkatastrophen. Deshalb lassen sich konsequente Friedenspolitik und konsequenter Klimaschutz nicht voneinander trennen!

Eine weitere Verschleppung und Blockade der Klimaschutzmaßnahmen führt dazu, dass das 1,5-Grad-Ziel verfehlt, die Kipppunkte erreicht werden und die Klimakatastrophe damit nicht mehr aufzuhalten ist. Die Menschheit ist in ihrer Existenz bedroht.

Einen letzten Satz noch: Ich stehe für einen konsequenten sozial-ökologischen Umbau!

Danke fürs Zuhören und weiterhin eine schöne Kundgebung.